Auszeit im falschen Moment – Spannung pur

Freitag, 18th November, 2016
2016-11-12

Es war kurios und wohl die entscheidende Szene des Spiels: Weniger als eine halbe Minute zeigte die Uhr noch als, als Christoph Böttger bei angezeigtem Zeitspiel mit dem Mute der Verzweiflung abzog und der ball im Netz zappelte. Doch der Treffer, der dem SV T&C Behringen/ Sonneborn II womöglich den Auswärtssieg beim SV Petkus Wutha-Farnroda beschert hätte, zählte nicht, weil die Gäste-Bank in den Torwurf hinein die “Grüne Karte” gezogen hatte. Dumm gelaufen. Nach der Auszeit passierte in den letzten 20 Sekunden nichts mehr. So leuchtete nach einer gutklassigen und an Spannung kaum zu überbietenden Landesligapartie ein 33:33-Unentschieden auf der Anzeigetafel der Hörselberghalle.

Trotz des Auszeit-Missgeschicks gab es beim Aufsteiger aber keine Enttäuschung: “Wir sind zufrieden, schließlich lagen wir ja schon deutlich zurück. Aber unsere Jungs haben den Druck ausgehalten, Kampfgeist bewiesen”, sagte T&C-Coach Thomas Heyroth, für den die Partie ein weiterer “Schritt nach vorn” war. Mit dem in Eisenach beim Sieg gegen Eintracht geholten Selbstvertrauen ging die T&C-Reserve in die Partie und spielte frech auf. Rückraum-Shooter Hannes Meyer erzielte die ersten vier Tore für die Gäste, die bis zur 20. Minute mehrfach mit zwei Treffern führten. Eine Auszeit von Wutha-Farnrodas-Coach Steffen Isbrecht zeigte dann Wirkung. Petkus gleich aus (12:12/ Handrick) und nutzte eine Überzahlsituation, als Moritz Voß eine Zeitstrafe gegen den Gast absaß, um selbst eine 2-Tore-Führung (15:13/ kalmring) vorzulegen. 18:16 hieß es zur Pause.

Nach dem Seitenwechsel schien es, als würde sich nun die Wuthaer Routine gegen die Behringer Jugend durchsetzen. Torsten Laufer verwandelte sicher vom Punkt (19:16/ 32.) und lancierte die Kombinationen die speziell Johannes Handrick präzise und mit brachialer Wucht abschloss. Beim 24:19 (37.) lag Petkus erstmals mit fünf Toren vorn. Anschließend wechselten sich Meyer hier und Handrick auf der anderen Seite mit ihren “Geschossen” bis zum 26:21 (42.) ab. Der Gast steckte nicht auf und kämpfte sich trotz einer Unterzahlsituation auf 27:28 (49./ Eschrich) heran. “In dieser Phase sind uns leichte Ballverluste unterlaufen, auch die Deckung stand nicht optimal, wenngleich Behringen natürlich starke Schützen hat”, analysierte Petkus-Trainer Isbrecht. Sein Team legte durch Handrick und Michael Aßmann vom Kreis das 30:27 (50.) vor, da Behringen einige Konter ungewohnt schludrig zu Ende spielte. Ardit Ukaj fehlte diesmal die Leichtigkeit, die er bei seinen Gegenstößen schon im T&C-Thüringenligateam zeigte.

In der packenden Schlussphase hatte die Behringer “Rasselbande” mehr Sprit im Tank. Während Handrick nur die Latte anvisierte und Toni Senf zu überhastet abschloss, drehte der Gast mit vier Treffern abermals das Spiel zum 30:31 (56./ Eschrich). Behringens Co-Trainer Heiko Leimbach hielt es da schon lange nicht mehr auf der Bank. Fast wie Athletico Madrids Diego Simeone gestikulierte er wild, kniete mal auf dem Boden oder trommelte entnervt gegen die Wand. Wutha-Farnroda gleich durch Handricks zwölften Treffer aus. Auch das 32:33 (57./ Böttger) konnte der Gastgeber durch Laufer vom Punkt egalisieren (58.). Es sollte das letzte Tor in diesem Thriller bleiben.

Wie die Teams das Unentschieden einordneten, war nach der Schlusssirene unschwer zu erkennen. Die Behringer rissen die Arme hoch und bejubelten diesen Auswärtspunkt. Wenige Meter daneben standen die Wuthaer, kopfschüttelnd und mit den Händen in den Hüften – die Geschichte eines (gefühlten) Verlierers.

SV Petkus Wutha-Farnroda: Andreas König, Julian Danz; Mathias Kalmring 5, Julian Schüßler 1, Michael Aßmann 2, Phillipp Heimel 2, Johannes Handrick 12, David Walter, Ebrahem Maghames, Toni Senf, Steve Apel, Torsten Laufer 11/4

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