es hat nicht viel gefehlt

Spannung lag in der Luft, denn das Spitzenspiel stand auf dem Plan. Wir, die Herausforderer gegen Jena, den bisherigen Dominator der Saison. Unsere letzten Spiele zeigten eine prima Entwicklung mit spielerischen Glanzleistungen und überzeugenden Ergebnissen. Aber auch Jena bestach bisher mit durchweg klaren Spielen. Kein Gegner konnte ihnen bisher auch nur annähernd das Wasser reichen, zu eingespielt und konsequent ihre souveränen Auftritte.
Das Spiel der Vorrunde in Jena war eine klare Angelegenheit der Gastgeber und bereits nach gut 10 Minuten entschieden. Unser 0:8 – Start war eine Hypothek, die ernüchternd wirkte und als emotionaler Rückschlag angesehen werden konnte. Doch seit dem sind 4 Monate vergangen und unser Wille, es besser zu machen, war ungebrochen. Weiterhin war klar, dass sich der Sieger der heutigen Partie gute Chancen auf den Meistertitel ausrechnen konnte. Einige Fragen gab es somit vor und passende Antworten nach dem Spiel.
Ich kann es vorweg nehmen - es war ein Duell auf hohem Niveau und eines Spitzenspieles würdig. Leider am Ende nicht zu unseren Gunsten. Aber das war nicht entscheidend. Wir haben bis zum letzten Pfiff gekämpft, haben einen fehlerhaften Beginn bis zur Halbzeit fast ausgleichen können, hatten Mitte der 2.Halbzeit die Möglichkeit das Blatt zu wenden, sind wieder in Rückstand geraten und hätten am Ende mit etwas Glück noch etwas Zählbares mitnehmen können. Es war viel los in den 40 Minuten, den Zuschauern wurde einiges geboten.
Im Angriff fanden wir durchweg gute Lösungen, was Jena das ein oder andere Mal in Verlegenheit brachte. Größere Probleme hatten wir allerdings im Abwehrbereich. Zu körperlos unser Agieren, wenig Beinarbeit bei unseren seitlichen Bewegungen. Die Gäste kamen mit ihren ballsicheren Ballstafetten zu einfachen Toren und wussten ihre Körperlichkeit gewinnbringend einzusetzen. Somit war es ein steter Kampf – zu leicht Gegentore hinten und hoher Aufwand vorne, um einigermaßen die Waage zu halten. Mit zunehmender Spieldauer gelang uns das aber immer besser. Stand es kurz vor der Halbzeit bereits 11:12, war in der 26. Minute der Ausgleich geschafft (16:16). Hier konnte das Spiel jetzt kippen, doch leider waren wir nicht abgezockt genug und die Belastung deutlich spürbar. Die Gäste wussten trotz unseres emotionalen Hochs eine kleine erneute Schwächephase mit unseren Fehler konsequent zu nutzen und schraubten binnen 7 Minuten das Ergebnis auf 24:19 zu ihren Gunsten. Aufgabe war aber auch hier keine Option. Wir bekamen die „2. Luft“ und ein 4:0 Lauf (37. Minute) lies die Halle beben. Alles war wieder möglich und die Köpfe wieder oben. Jena konnte per 7m den Abstand nochmals ausbauen. Die finale Wende blieb leider aus. Ein angezeigtes Zeitspiel, was in einen unkontrollierten Abschluss mündete, beendete ein aufregendes, aufreibendes und intensives Spiel.
Ein kurzer Moment der Enttäuschung durfte sein, dafür sind wir Sportler und wollen den Erfolg. Doch Grund dafür gab es nicht. Nicht das Ergebnis ist mein Bewertungsmassstab, sondern wie wir uns präsentiert haben. Zu unterschiedlich sind die Voraussetzungen der beiden Vereine in ihren Möglichkeiten. Hier Ehrenamt und 2x Training, dort Sportschule mit Hauptamt und 5-6 Trainingseinheiten in der Woche. Das wir überhaupt die „Stirn zeigen“ sagt viel über die Qualität und den Willen der Jungs aus. Darauf sind wir stolz.
Zudem haben die Gäste aus Jena sicherlich nicht unverdient gewonnen. Bis auf einmal lagen sie immer in Front und hatten weitestgehend die Spielkontrolle. Vor 2 Jahren waren noch wir der glückliche Sieger in einem dramatischen Halbfinale, das erst nach verlängerten Penaltywerfen entschieden wurde. Der damals beste Turnierschütze aus einem Nachbarverein, sowie ein weiterer Spieler haben inzwischen den Weg nach Jena gefunden. Solche Möglichkeiten erweitern natürlich die mannschaftliche Qualität.
Wir haben kurz am Thron gerüttelt, ganz erklimmen konnten wir ihn nicht. Die Anerkennung des Gegners, der sichtlich erleichtert den Schlusspfiff herbeigesehnt hat, haben wir uns allemal verdient und genugtuend wahrgenommen. Auch die Spielleitung war ohne Kritik zu werten. Sie hatten kein Einfluss auf den Spielverlauf und das ist ja immer ein gutes Zeichen.
Ganz am Ende sind wir aber noch nicht. Der letzte Meisterschaftsauftritt für diese Saison erfolgt am kommenden Sonntag in Eisenach. Auch hier gilt es wieder etwas gut zu machen. Das Spiel in der Vorrunde ging knapp verloren. Die Rechnung ist offen und einfach – holen wir einen Punkt sind wir Vizemeister. Und das ist das Ziel. Der Gegner wird gewarnt sein ob unserer letzten Ergebnisse. Doch wie sagt man so schön – jedes Spiel muss erst einmal gespielt werden. Schenken werden sie uns nichts, da sie bei einem vollen Erfolg Ihrerseits den begehrten 2. Platz erreichen können.
Inzwischen ist ein gutes Miteinander entstanden, gewisse Sympathien haben sich entwickelt. Doch diese werden am Vormittag ruhen, weil beide Mannschaften erfolgreich sein wollen. Erst danach wird die Zukunft neu gedacht.
SV Petkus Wutha-Farnroda spielte mit: Luis Müller; Emilian Bleicher 1, Jannis Lehmann 7, Michel Schülken 7/1, Leander Pahnke 1, Lukas Ruppelt 4, Colin Haase 2, Eliah Eitzeroth 1, Ben Seckelmann, Emil Wenig, Tomke Krah, Cedric Riedel
Autor: Karsten Lehmann