ich sehe was, was du nicht siehst

Nach sieben Wochen Spielpause (keiner weiß warum), steht endlich der zweite Turniertag an. Der Weg führte uns diesmal nach Waltershausen. Die mitspielenden Teams waren der Gastgeber, die HSG Hörselgau/Waltershausen, und die Vertretung der Wölfe Erfurt II. Alle Mannschaften sind bisher ohne Niederlage ins Meisterschaftsrennen gestartet. Die „Wölfe“ haben lediglich gegen Eisenach II einen Punkt abgegeben. Jeder der Teilnehmenden hat nach erster Einschätzung Ambitionen die Finalrunde der besten fünf Mannschaften zu erreichen. Somit ist das heutige Turnier richtungsweisend, um so etwas wie eine kleine Vorentscheidung auf den Weg zu bringen.
Wir waren gewarnt, denn in Hörselgau ist in der Regel alles anders, so die Erkenntnis aus den letzten Jahren. Die Einflussnahme von Außen ist meist schwer zu ertragen und das Weglächeln der Unwägbarkeiten seitens des üblichen Unparteiischen sehr grenzwertig. Und wir wurden nicht enttäuscht. Nach der längeren Pause fängt man gefühlt wieder unterschwellig im Ungewissen an. War unser Auftakt-turnier sehr überzeugend, stellte sich die Wettkampfpause, und für einige eine 14-tägige Ferienpause, als nicht optimal heraus. So ein bisschen fehlte die Selbstverständlichkeit und der Rhythmus im Spiel.
Bedingt durch die Regelauslegungen war das auch kein so leichtes Unterfangen. Im Auftaktspiel waren wir gleich gegen den Gastgeber gefordert. Der Spielfluss wurde einseitig permanent jäh unterbunden, ständig beim finalen Pass zum freistehenden Spieler zurückgepfiffen. Das kann schon nerven und zu Unverständnis führen. Darüber hinaus war es nicht schön anzuschauen. Das bei einem Heimturnier oft ein latenter Spielvorteil der Gastgeber mitschwingt ist nicht unüblich, werden aber in penetranter Weise ganzzeitlich Dinge gesehen, die andere nicht sehen oder nicht gesehen, die andere sehen, ist was faul in der Wahrnehmung der Spielleitung. Bis dahin, dass es in einigen Situationen auch um die Gesundheit der Kinder ging! Die Regeln sollten bekannt sein, Zählen keine Schwierigkeit und Geschwindigkeit kein Hindernis. Da ist man bemüht den schriftlichen Appell an die Fairness der Verbandsspitze zu folgen und dann wird es einem doch sehr schwer gemacht, seine Emotionen bei sich zu lassen. Wenn der Opa den Enkel pfeift und der Sohn als Trainer auf der Bank sitzt, dann gibt das nicht selten „schiefe Schuhe“! Ein Vorgehen, das seit Jahren üblich und bekannt ist und nicht verhindert wird. Auch der Verband muss seinen Teil in der Spielorganisation zur Fairness beitragen und nicht nur die Schuld bei den Vereinen und deren Umfeld suchen.
Trotz aller Widrigkeiten kämpften alle vorbildlich und boten im Spiel ein Duell auf Augenhöhe. Zu den letzten Vergleichen zeigte sich Hörselgau verbessert und konnte vor allem körperlich punkten. Leider waren wir am Ende gefühlt nur fünf Tore besser und nicht sieben, sodass das Spiel 12:13 verloren ging. Der Ärger bei allen war groß, nicht ob der Niederlage, sondern wegen der unsportlichen Beeinflussung.
Das zweite Spiel stand gleich im Anschluss an, somit nicht viel Zeit, um weitere Gedanken an die Geschehnisse zu verlieren – gut so. Die Wölfe aus Erfurt, ein relativ neuer Verein, der dem „Platzhirsch“, dem HSC Erfurt seit geraumer Zeit Konkurrenz macht, war Inhalt des zweiten Duells im Turnier. Man versucht hier etwas aufzubauen und scheut auch nicht Kinder von Stadtrivalen zu integrieren, um sich erfolgreich zu entwickeln. Namen wie Andre Ahrens (Präsident, ehemals THSV Eisenach), Alexander Koke (Vizepräsident, Trainer-stab DHB) und Christian Roch (Schatzmeister, Landestrainer männlich THV) deuten die Ernsthaftigkeit des eingeschlagenen Weges an. Trainerkollege Felix Funke ist gleichzeitig Thüringen-Auswahltrainer der männlichen C-Jugend. Aller Anfang ist auch sicherlich hier schwer. Aber Nachwuchsarbeit aufzubauen dauert in der Regel seine Zeit. Das sie im D-Jugendbereich auf einem guten Weg sind, war im Gegeneinander zu sehen. Wir kamen erst langsam wieder in die Spur und konnten erst in der 2 Hälfte alle Last abstreifen und befreiter aufspielen. Nach knapper Führung zur Halbzeit, gelang es uns mit Wiederanpfiff mit lockerer Ballführung das Pendel in die richtige Richtung zu drücken und mit 22:17 durchs Ziel zu gehen. Somit ging ein lehrreichen Spieltag mit 2:2 Punkten zu Ende. Der Punktverlust sollte das Ziel, die Endrunde zu erreichen, nicht ernsthaft gefährden. Lässt der Verband die geforderte Fairness walten, sollten wir im möglichen Aufeinandertreffen in der besagten finalen Runde ein Heimspiel haben. Eine Extramotivation bedarf es dann sicherlich hier nicht.
Leider konnten wir bei den knappen Spielverläufen nicht allen Kindern Einsatzzeiten verschaffen. Das sollte aber Ansporn sein, die möglichen Trainingszeiten kontinuierlich zu nutzen, um sich nachhaltig in den Vordergrund zu spielen und anzubieten. Diesmal geht es schon in zwei Wochen weiter, mit einem Heimturnier. Gäste sind gerne willkommen.
Spielergebnisse:
HSG Hörselgau/Waltershausen - SV Petkus Wutha-Farnroda 13:12
SV Petkus Wutha-Farnroda - Nordhäuser SV 22:17
Wölfe Erfurt II - HSG Hörselgau/Waltershausen 15:20
SV Petkus Wutha-Frarnroda spielte mit: Luis Müller, Jannis Lehmann, Max Lehmann; Emilian Bleicher 8, Jannis Lehmann 5, Michel Schülken 8, Leander Pahnke 1, Lukas Ruppelt 3, Colin Haase 6, Eliah Eitzerodt 3, Emil Wenig, Ben Seckelmann, Tomke Krah, Cedric Riedel, Konrad Hasenstein
Autor: Karsten Lehmann